Die Materialversorgung besteht im Wesentlichen aus den folgenden zentralen Bereichen: Lacklager, Vorbereitungszonen, Ver- und Entsorgungssystemen, Rohrleitungstrassen und der optionalen Lacktemperierung.
Im Lacklager lassen sich die Bedarfe mehrerer Tage an Lacken und Spülmedien in unterschiedlichen Größen, von 25 Liter Hobbock bis 1.000 Liter Container, unterbringen. Größere Mengen an frischen Spülmedien sowie die zur Entsorgung gesammelten verschmutzten Spülmedien werden häufig in Großtanks bis zu 25.000l bevorratet.
Der Farbversorgungsraum ist mit Vorbereitungszonen ausgestattet, um die Lacke für den Einsatz in den Versorgungssysteme vorzubereiten. Ebenso gibt es Reinigungsstationen für Equipment und von Rührwerken. Gleichzeitig sind dort die Versorgungssysteme für Füller-, Basis- und Klarlacke sowie Härter angesiedelt, ebenso wie die Versorgungs- und Entsorgungssysteme für Spül- und Lösemittel.
Die Rohrtrassen, in denen der Lack zirkuliert und der Applikation zur Verfügung gestellt wird, ziehen sich in großen Ringschleifen um die gesamten Lackierkabinen.
Immer wichtiger werden auch die optionalen Temperiersysteme für die Versorgungssysteme, um sicherzustellen, dass die Lacke in einem eng definierten Temperaturfenster für die Anwendung verfügbar sind.
All das ist entscheidend für das perfekte Lackierergebnis.
Behälter
Der Lack wird in großen Gebinden angeliefert und anschließend in speziell angefertigte Behälter umgefüllt. Dürr hat hierfür Edelstahlbehälter entwickelt. Optional können diese Behälter auch doppelwandig ausgeführt werden, um das Lackmaterial zu temperieren. Neben den erforderlichen Prozessanschlüssen und der Sensorik für die Füllstandsmessung, sind diese Behälter mit Rührwerken ausgestattet, damit sich das Lackmaterial nicht absetzen kann. So wird sichergestellt, dass der Lack seine Qualität beibehält.
Pumpen
Der Lack wird durch spezielle Lackpumpen gefördert. Diese verhindern, dass der Lack durch Scheerbelastung übermäßig geschädigt wird. Dürrs EcoPump-Reihe ist speziell auf die vielfältigen Anforderungen der Industrie ausgelegt – so gibt es druckluftbetriebene und elektrisch betriebene Horizontalpumpen in jeweils drei verschiedenen Größen, um immer die richtige Pumpe für den jeweiligen Anwendungsfall bieten zu können.
Filter
Spezielle Filter tragen dazu bei, dass ein optimales Lackergebnis entsteht. Sie können sowohl im Vorlauf als auch im Rücklauf der Versorgungssysteme eingesetzt werden. Dürr bietet die Filter zudem auch einzeln für verschiedene Industriezweige an.
Regler
Diese regulieren den Versorgungsdruck für die Applikationsroboter. Die Regler der EcoFlow-Serie von Dürr ermöglichen eine präzise Druckregulierung. Dank ihrer hohen Durchflussrate und großen Regelspanne werden sie in allen Versorgungssystemen eingesetzt. Sie sind auch in einer pneumatischen Version erhältlich, die es ermöglicht, den Druckbereich abhängig vom Bedarf zu steuern und den Lack im Effizienzmodus zu schonen. Und das mit einer hohen Dynamik.
Diese vier Komponenten bilden die Herzstücke der Farbversorgungssysteme und werden von Dürr selbst gefertigt oder wurden gemeinsam mit spezialisierten Lieferanten entwickelt und exklusiv für Dürr hergestellt. Der Vorteil: So können Lackversorgungen entwickelt und gebaut werden, die den hohen Anforderungen an die Lackiertechnik gerecht werden. Dürr ist damit in der Lage, maßgeschneiderte und individuelle Anlagen zu planen und umzusetzen.
Björn Schenke
Produktmanager Materialversorgung
Damit ein Auto am Ende perfekt lackiert ist, muss schon bei der Materialversorgung besonderer Wert auf die Anforderungen der Lackapplikation gelegt werden. Anlagenparameter wie zum Beispiel Druck, Volumenstrom, Fließgeschwindigkeiten und Temperatur müssen passen. Diese sorgen unter anderem dafür, dass der Lack die richtige Beschaffenheit für die Lackierung hat. Auch achtet Dürr bei seinen Anlagen auf eine besonders schonende (scheerarme) Förderung der Lacke sowie eine möglichst totraumarme Konstruktion der Versorgungssysteme. So werden spezielle Verschraubungen und Kugelhähne eingesetzt. Diese sorgen dafür, dass keine Fließschattenbereiche oder Toträume entstehen, in denen sich Lack absetzt, der sich unkontrolliert löst und im ungünstigsten Fall zu Lackierfehlern führt.
Um das ideale Materialversorgungssystem zu erhalten, müssen viele Faktoren bereits in der Planung berücksichtigt werden – von der Auswahl der Einzelteile bis hin zu äußeren Einflüssen. Dies beginnt bei gesetzlichen Regularien, wie etwa den Maschinenrichtlinien, dem Wasserhaushaltsgesetz und den ATEX-Richtlinien. Dazu kommt, dass die Vorschriften je nach Land und Region variieren und unterschiedliche Lösungen erfordern. Auch die Berücksichtigung der Gegebenheiten beim Kunden und die Installationen anderer Gewerke sind wichtige Faktoren, da sich die Materialversorgung durch die gesamte Lackieranlage zieht und mit allen Bereichen einer Lackieranlage abgestimmt werden muss. Zudem berücksichtigt Dürr bei Bedarf auch die individuellen Kundenvoraussetzungen hinsichtlich Prozesse, Platzverhältnis, Budget und Zeitrahmen.
Von standardisierten Farbversorgungssystemen, mit denen Dürr seinen Kunden ein technisch komplett entwickeltes und durchdachtes Produkt mit zahlreichen Optionen zu günstigen Kosten anbieten kann, bis hin zu Speziallösungen. Die individuellen Anforderungen an die Materialversorgung erfordern immer wieder flexible Lösungen. Dafür bietet Dürr die passenden Farbversorgungssysteme.
Die Ringleitungssysteme sind besonders effizient, wenn nur wenige Farben immer wieder verwendet werden, da sie Farbwechsel mit minimalem Lackverlust und Spülmittelverbrauch ermöglichen. Mit der steigenden Farbvielfalt in der Automobilbranche, vor allem bei Nutzfahrzeugen und Kunststofflackieranlagen, sind heute über 100 verschiedene Farben keine Seltenheit mehr. Der häufige Farbwechsel erfordert dann flexible Sonderfarbsysteme, wie etwa Dürrs EcoSupply P. Hierbei handelt es sich um ein standardisiertes, modulares Farbversorgungssystem mit Molchtechnik, welches für Wasserlack- und Lösemittellackapplikation eingesetzt werden kann. Angesichts der steigenden Farbvielfalt sind es längst nicht nur Sonderfarben, die mit Hilfe von Molchsystemen aufgetragen werden, sondern auch Farben für Kleinserien oder weniger häufig verwendete Standardfarben. EcoSupply P sorgt dabei für geringere Lackverluste, einen reduzierten Spülmittelverbrauch und sehr kurze Farbwechselzeiten in den Versorgungssystemen.
Dürr realisiert seine Materialversorgungssysteme stets energieeffizient und wartungsarm, sowohl aus prozesstechnischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Dazu gehört eine materialschonende Lackförderung für eine lange Haltbarkeit der Lacke und ein perfektes Lackierergebnis. Dabei setzt das Unternehmen auch auf einen wesentlichen Aspekt der Nachhaltigkeit – der Verringerung des Energieverbrauchs. So sind bei einer bedarfsgerechten Steuerung der Farbversorgungssysteme Energieeinsparungen bis zu 85% im Vergleich zu herkömmlichen Farbversorgungssystemen möglich. Ein Beispiel aus der Praxis: Beim Lackieren von Fahrzeugen steht eine Vielzahl von Farben im Farbwechsler bereit. In den Zeiten, in denen Farben nicht benötigt werden, kann das Farbversorgungssystem den Volumenstrom und den Förderdruck reduzieren, was zu erheblichen Energieeinsparungen führt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Energie beispielsweise aus Druckluft oder elektrischen Quellen stammt – das System optimiert den Einsatz abhängig vom Bedarf und unabhängig von der Energiequelle.
Von durchdachten Konzepten von der Anlieferung der Lacke bis hin zur Applikation, über die komplette visuelle Darstellung in 3D-Modellen im Projekt und die Installation, sowie Inbetriebnahme bietet Dürr seinen Kunden umfassenden Service. Um etwa die Installationszeit vor Ort so kurz wie möglich zu halten, baut Dürr an seinen Standorten in Bietigheim-Bissingen, Querétaro (Mexico) und Shanghai (China) die einzelnen Systeme aller großen Farbversorgungsanlagen im Vorfeld auf. Danach werden die vorinstallierten Ver- und Entsorgungssysteme zum Kunden geliefert, die Rohrleitungssysteme angeschlossen und die Anlage in Betrieb genommen.
Björn Schenke
Produktmanager Materialversorgung