Menschen bei Dürr

In China zuhören, für die Welt gestalten

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Wie Michael Baitinger als CEO von Dürr China Führung, Innovation und „Local for Global“ neu denkt

 

Am Morgen betritt Michael Baitinger das Büro – gekleidet in einem gut geschnittenen dunklen Anzug. Mit einem leicht deutsch akzentuierten „Good Morning“ begrüßt er die Mitarbeitenden und bewegt sich dabei mit selbstverständlicher Souveränität durch den Raum. Direkt vor dem Büro hat er einen Loungebereich mit gemütlichen Sofas und einem Tischkicker eingerichtet: ein offener, einladender Ort für informelle Gespräche. Erst vergangene Woche stellte dort ein junger Ingenieur eine Verbesserungsidee vor – und erhielt bereits am nächsten Tag Feedback. Diese kleine Ecke ist mehr als nur ein Treffpunkt. Sie ist spiegelt Baitingers Führungsstil.

 

Am 1. Januar 2024 wurde Michael Baitinger offiziell CEO und Präsident der Dürr Paintshop Systems Engineering (Shanghai) Co. Ltd. Nur wenige Monate später sind die nahegelegenen Besprechungsräume von lebhaften Diskussionen und Gelächter erfüllt – Chinesisch und Englisch fließen dabei mühelos ineinander. Mit einem Dolmetscher an seiner Seite und dem beharrlichen Willen, die chinesische Sprache selbst zu erlernen, schreibt dieser CEO ein neues Kapitel in China. Und er tut das auf die direkteste und zugleich wirkungsvollste Weise: indem er zuhört.

 

Über 30 Jahre Erfahrung: vom technischen Experten zur Führungskraft

Michael Baitingers Karriere bei Dürr begann 1994. Frisch von der Universität kam er als Freiberufler zu dem technologiegetriebenen Unternehmen. In den folgenden Jahren durchlief er eine tiefgreifende berufliche Entwicklung: vom technischen Spezialisten hin zur Führungskraft mit wachsender Verantwortung.

Sein erster großer Schritt führte ihn von der Fördertechnik in die Layoutplanung. „Als ich erstmals ein Team bei der Layoutplanung leitete“, erinnert er sich noch heute mit spürbarer Begeisterung, „war die Befriedigung, kollektives Wissen zu aktivieren und Ideen gemeinsam Gestalt annehmen zu sehen, ungleich größer als jede individuelle Leistung.“ Diese Erfahrung prägte sein Führungsverständnis nachhaltig. Sie zeigte ihm, dass echte Führung nicht darin besteht, Anweisungen zu erteilen, sondern darin, gemeinsame Leidenschaft zu wecken und Potenziale im Team freizusetzen.

2008 wurde er zum Senior Manager of Mechanical Engineering for Booths and Ovens befördert – und begann, sich intensiv mit der Koordination komplexer Projekte auseinanderzusetzen. Der Schritt vom operativen Macher zum Manager schärfte sein Verständnis für die eigentliche Aufgabe von Führung: ein Team zu befähigen, gemeinsam erfolgreich zu sein. Sieben Jahre später erweiterte sein Einsatz in Mexiko diese Perspektive entscheidend. Dort lernte er, in einem multikulturellen Umfeld Konsens zu schaffen, Brücken zu bauen und Teams zusammenzuführen. Als er 2018 als Operational Director für den Bereich Service nach Deutschland zurückkehrte, rückte „Service“ in den Mittelpunkt seiner Führungsphilosophie – verstanden als konsequente Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse und als gleichzeitige Förderung von Unternehmenszielen und Teamentwicklung.

Von Deutschland über Mexiko zurück nach Europa: Jede Station erweiterte seinen Blick. „Wenn man sich darauf konzentriert, echten Mehrwert zu schaffen, statt einem Titel hinterherzulaufen, entsteht Verantwortung ganz natürlich“, fasst er zusammen.

 

Der Name „Tingge“ und ein neues Kapitel in China

Bevor er seine neue Position offiziell antrat, entschied sich Michael für einen chinesischen Namen, der seine Haltung widerspiegelt: „霆革“ (Tíng Gé) – sinngemäß „transformativ wie Donner“. Er steht für seine Sicht auf den dynamischen chinesischen Markt. „Das Tempo des Wandels hier ist atemberaubend“, sagt er. „Um unsere Führungsposition zu behaupten, müssen wir agil bleiben – und den Mut haben, neue Wege zu gehen.“

Seine Ernennung zum CEO von Dürr China beschreibt Michael Baitinger als „wunderbare Überraschung“. Der neuen Aufgabe begegnet er mit Gelassenheit und Zuversicht: „Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die damit einhergeht, habe aber volles Vertrauen in die Stärke unseres Teams.“

 

Die Kunst des Zuhörens: Teams vereinen und den Markt lesen

Baitinger betrachtet Zuhören als sein wichtigstes Führungsinstrument – und setzt es konsequent im Alltag ein. Intern nimmt er sich Zeit, die Stärken und Motivation seiner Mitarbeitenden zu verstehen, um Talente dort einzusetzen, wo sie ihr volles Potenzial entfalten können. Extern sucht er bewusst den engen Austausch mit Kunden, um Marktveränderungen frühzeitig zu erkennen. Mit „Talk to the CEO“ hat er zudem ein unternehmensweites Format etabliert, das den direkten Dialog ermöglicht: ein offenes Forum, in dem Mitarbeitende hierarchieübergreifend ihre Themen ansprechen und unmittelbar mit der Unternehmensführung ins Gespräch kommen können.

In seiner täglichen Arbeit hat er ein offenes Ohr für die ehrlichen Meinungen und Vorschläge seiner Mitarbeiter in einer entspannten Atmosphäre. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzen vor allem seine Art zuzuhören. Erwartungen kommuniziert er klar, zugleich gibt er Ideen und Bedenken Raum. Das schafft Vertrauen, fördert Einigkeit und bildet die Basis für fundierte Entscheidungen.

Innovation, fest verankert in der DNA von Dürr

„Innovation liegt in unserer DNA“, sagte Michael Baitinger bei der Präsentation der „Lackieranlage der Zukunft“ während des Open House 2024 in Shanghai. Diese Haltung prägt auch sein Führungsverständnis. Seine Neugier für Technologie hat er sich über die Jahre bewahrt – und übersetzt sie konsequent in Managementpraxis: von der gezielten Förderung des von Dürr entwickelten KI Systems bis hin zur persönlichen Auseinandersetzung mit neuen Technologien, etwa dem Erlernen der Drohnensteuerung.

„Neugierig zu bleiben ist die Quelle von Innovation“, sagt er und hält dabei einen Drohnen Controller in der Hand. „Habt keine Angst vor Fehlern. Nur wer den Mut hat, Dinge auszuprobieren, kann echte Durchbrüche erzielen.“ 
Während sich die deutsche Forschung und Entwicklung auf Flexibilität, Zuverlässigkeit und langfristige Leistungsfähigkeit konzentriert, setzt das Team in China andere Akzente: Lokalisierung und Geschwindigkeit stehen hier im Vordergrund. Getrieben von den hohen Anforderungen chinesischer Automobilhersteller an kurze Innovationszyklen hat das Team in Shanghai die Anpassungszeiten von Produktionslinien von mehreren Monaten auf wenige Wochen verkürzt. Gleichzeitig treibt das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Shanghai die lokalisierte Weiterentwicklung zentraler Technologien voran – und stellt so sicher, dass globale Innovationen schnell an den chinesischen Markt angepasst werden.

 

Neues Kapitel: In China, für die Welt

Von diesem neuen Ausgangspunkt aus treibt Michael Baitinger die Vision „Local for Global“ mit einer klaren, umsetzungsorientierten Lokalisierungsstrategie voran. Im Mittelpunkt stehen agile, konsequent kundenorientierte Services, getragen von einem tiefen Verständnis der spezifischen Anforderungen des chinesischen Marktes. Entscheidend dafür sind lokal verankerte Forschung und Entwicklung sowie Innovationen, die globale Technologie mit regionalem Know-how verbinden – und so wirklich wettbewerbsfähige Lösungen ermöglichen

Durch den gezielten Ausbau seiner Präsenz in China stärkt Dürr China nicht nur seine lokalen Servicekompetenzen, sondern bringt bewährte Technologien und Erfahrungen systematisch in das globale Netzwerk ein. Gleichzeitig begleitet das Unternehmen chinesische Automobilhersteller kontinuierlich auf ihrem Weg in internationale Märkte.