Für das komplette Portfolio an Klebeprodukten haben wir eine virtuelle Inbetriebnahme entwickelt. Im übertragenen Sinne ist das ein Prüfstand für die Betriebssoftware. Damit testen und optimieren wir die Systemsteuerung EcoHVMP4, bevor ein individuell zusammengestelltes Klebeapplikationssystem physisch in Betrieb geht.
Marius Christian Traub
Entwicklungsingenieur, Dürr
Von einem Klebetechniksystem erwarten Kunden zurecht, dass es vom ersten Tag an hundertprozentig zuverlässig funktioniert. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Software. Da sich die moular aufgebauten Systeme bei der Anzahl und der Größe ihrer Bauteile, etwa der Fasspresse EcoRam für die Materialversorgung, den Dosiereinheiten EcoShot Meter oder den EcoGun-Applikatoren, stark voneinander unterscheiden, muss die Software auf jede individuelle Konfiguration angepasst werden, um eine optimale Performance zu erzielen.
Durch die virtuelle Inbetriebnahme erkennen wir Fehler frühzeitig und beheben sie, bevor ein System vor Ort in Betrieb genommen wird. Das beschleunigt die Inbetriebnahme und bringt Vorteile bei der Integration. Sollte es vor Ort doch mal ein Problem geben, können wir das virtuell am digitalen Prüfstand nachstellen und dem Integrator eine Lösung zur Verfügung stellen.
Sven Bonaus
Manager Software-Engineering and Commissioning, Dürr
Eine echte Herausforderung bei der Umsetzung der virtuellen Inbetriebnahme war der Bereich des Feldbussystems. Das Industrieprotokoll, das Daten zwischen der Steuerung und Geräten wie Dosierern oder Applikatoren überträgt, wurde bislang kaum in virtuellen Umgebungen eingesetzt. Hier leistete Dürr Pionierarbeit.
In enger Kooperation mit der WINMOD GmbH, einem der führenden Entwickler von Systemplattformen für virtuelle Anlagen und Maschinen in der Automatisierungstechnik, gelang es, eine zuverlässige Lösung zu entwickeln, die die komplexen Abläufe der Klebetechnik präzise und effizient virtuell abbildet.
Der virtuelle Prüfstand beschleunigt nicht nur die Inbetriebnahme, sondern auch die Software-Releases. Denn was bisher in einem langwierigen Prozess an realen Maschinen getestet werden musste, wird nun vollständig virtuell durchgespielt. Dadurch können neue Funktionalitäten schneller eingeführt und Schwachstellen, sogenannte Bugs, zügiger behoben werden. Das Resultat ist eine robuste, störungsfreie Anwendung, die in jeder neuen Version vom ersten Tag an zuverlässig funktioniert.